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Sturmfahrt nach Tinos

Von Zsu

Ich erzähle nicht direkt von Tinos, sondern wie ich dort hin gelangt bin. Nämlich mit dem Segelboot. Eine Dufour 45 C war es.

Von Syros sind wir losgefahren und sind dann in einen ziemlich schlimmen Sturm geraten und wussten nicht, ob wir lebend da raus kommen. Laut Internet Wettervorhersage und Hafenmeister waren Windstärken von 4 - 5 beaufort vorhergesagt. Bei der Überfahrt von Syros nach Tinos wurde der Wind aber immer stärker. Das Schlimmste aber war, dass wir Kreuzsee hatten und die Wellen das Boot hin und her warfen.

Ein Mitsegler wurde dabei unter Deck gegen die Sitzbank geworfen, die dabei aus der Verankerung riss und er flog drüber und landete auf der anderen Seite des Raumes. Ich konnte mich bei einer heftigen Welle gerade noch an einer Stange an der Decke festhalten und dann riss es mir den Boden unter den Füßen weg und ich hing in der Luft und wenn ich losgelassen hätte, wäre ich quer durch das Boot und in die Bordelektronik geflogen.

Richtig schlimm wurde es aber, als eine Welle über dem Boot brach, es auf die Seite legte und wie einen Kreisel herumdrehte. Wir waren alle schon nass von oben bis unten und bis auf die Unterwäsche. Das Wasser kam so heftig über das Boot, dass auch unter Deck schon alles nass und glitschig war. Wenn man den Kopf in Fahrtrichtung wandte, war der Wind so stark, dass man kaum Luft bekam und die Wasserspritzer sich wie Steinchen anfühlten, die einem ins Gesicht geschleudert wurden.

Es wurde immer schlimmer. Die Segel hatten wir bis auf einen kleinen Rest des Großsegels bereits eingeholt, und der Motor lief auf vollen Touren. Trotzdem hüpften wir zeitweise nur auf den Wellen auf und ab und kamen kaum vorwärts. Ioannis stand am Ruder, ich bediente den Gashebel, da seine Hände bereits so steif waren, dass er den Hebel nicht mehr selber bedienen konnte. Wir bekamen selbst zu zweit auch seine Jacke nicht zu, vor Zittern, vor Wind und weil wir uns immer wieder festhalten mussten.

Der Wind hatte Windstärke 9 erreicht und zum Teil gab es noch stärkere Böen. Das Meer schäumte und brodelte und die Wellen waren nahezu zwei Meter hoch. Ich betete folgendes Mantra "das Boot ist hochseetauglich - das Boot ist hochseetauglich - das Boot ist hochseetauglich" und versuchte, ein zuversichtliches Gesicht zu machen. Tatsache war, dass es keine Chance gegeben hätte, wenn einer über Bord gegangen wäre. Selbst Rettungsschiffe wären bei diesem Sturm nicht rausgefahren.

Zwei Stunden dauerte der Kampf (mir kam es vor wie fünf oder sechs), dann hatten wir den Hafen von Tinos erreicht, machten bei der ersten sich bietenden Gelegenheit fest und sahen uns nur alle mit großen Augen an und nahmen uns in die Arme. Ich habe mir direkt was zu tun gesucht, Tee für alle gekocht und die Scherben zusammengefegt, denn eine Menge Geschirr war aus den Schränken gefallen und überall lagen Scherben herum. Und dann nur noch ins Bett und hinterher sind wir in ein Sacharoplasteio und haben alles gekauft, worauf wir jemals im Leben Lust gehabt haben.

Am nächsten Tag sind wir auch noch auf Tinos geblieben, zum Erholen. Das Tinos seither der schönste Hafen der Welt ist, brauche ich wohl nicht zu sagen :-)

Geschrieben 04.08.2003, Geändert 04.08.2003, 2681 x gelesen.

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