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Georgioupolis - Damals und Heute

Von SternchenAC

Ja, es gibt sie noch, die etwas anderen Touris. Im Rucksack viel Respekt vor den Kretern, deren Art und Weise zu leben und den Gegebenheiten vor Ort - wenn z.B. bei 40 Grad die Klimaanlage mal ausfällt. Die "Bändchenträger" aus den Hotelburgen von nebenan, die es inzwischen auch in Georgioupolis massenweise gibt, werden stehenden (schwitzenden) Fusses zur Hoteldirektion rennen, einen fein säuberlich fotografierten, dokumentierten Rundumschlag starten in Sachen Urlaubsmängel und somit erfolgreich ein paar Euro zurückerstattet bekommen. Was sie nicht bekommen in solchen Unterkünften ist die Nähe und Lebendigkeit der Einheimischen.

Wir waren jetzt Mitte Juni 2007 für knapp 2 Wochen in Georgioupolis und sind bei der Familie Kokolakis untergekommen. Mitten im Ort, in einer relativ ruhigen Seitenstrasse sehr nah zum Strand. Die haben Zimmer zu bezahlbaren Preisen und man kann dort morgens gemütlich draußen frühstücken. Abends trifft man dann seine "Mitbewohner" hier wieder und bleibt manchmal die halbe Nacht da sitzen, um sich über das Land, die Leute oder Gott und die Welt auszutauschen. Die Wirtsleute sitzen mitten drin und verteilen immer wieder liebevoll geschnipselte kleine Snacks. Und jede Woche an einem Abend veranstaltet die Familie ein Fischessen für alle Gäste, wo dann Engländer neben Bayern, Schweden mit Franzosen und Hamburger mit Hessen zusammen nebeneinander hocken und ins Gespräch kommen.

Das ist für mich Urlaubskultur vom Feinsten und dem alten Prinzip der kretischen Gastfreundschaft mehr als nah. Da vergess ich dann schon mal gerne eine nicht funktionierende Klimaanlage. Zumal, wenn ich sehe, wie Stelios und seine Frau Vroni hier mit Leib und griechischer Seele Tag und Nacht für ihre Gäste da sind.

Die Tochter Kokolakis und der Schwiegersohn haben übrigens ein paar Meter weiter eine gut besuchte Taverne namens Babis. Auch sehr zu empfehlen, denn sie sind sehr aufmerksam, das Essen ist sehr lecker und die Atmosphäre stimmt. Es sind alles einfach total nette Leute!

Zum Strandleben in Georgioupolis kann ich nur sagen, dass sich das Bild hier total verändert hat in den letzten Jahren. Es gibt jetzt eine Promenade und der Strand, der sehr geschrumpft ist, zeigt sich voll mit Sonnenliegen. Okay, wem es nicht gefällt, der kann ja zum kleineren Ableger an die andere Seite über dem Fluß auswandern. Da ist es ruhiger und man kann unterwegs im kleinen Hafen noch die Gänse füttern gehen.

Und noch ein paar Worte die Leute, die dem Georgioupolis von vor 20 Jahren hinterherweinen: Wenn man das alte Georgioupolis zurückhaben will, müßte man konsequenterweise sein Handy, die neue Digi-Cam und den ganzen Schnickschnack zu Hause lassen und mit Ackergaul in Ritterrüstung anreisen, um nach Griechenland zu kommen, und gänzlich ohne Klimaanlage und Mückennetze vor dem Fenster bei 40 Grad im Schatten hier mit den Griechen um die Wette schmoren. Ich gönne den Griechen die paar Euro, die sie sich mit Verleih von Liegen und Sonnenschirmen verdienen, um damit über die Runden zu kommen, denn die Saison ist schnell vorbei - genauso schnell wie die Touristen weg sind, die ihren ganzen Müll hier liegen lassen.

Wir jedenfalls hatten hier einen sehr erholsamen Urlaub und ich wünsche den Menschen vor Ort alles Gute: Wir kommen wieder!

Geschrieben 06.07.2007, Geändert 06.07.2007, 5975 x gelesen.

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Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar von kokkinos vrachos vom 12.03.2020 17:15:17

Moin und Kalimera, unter Kreta-Freunden gibt es ja einige Orte auf der Insel die polarisieren: Plakiás, Frangokástello, Georgioúpolis, Kalamáki……

Bis 1906 hiess Georgioúpolis Almyropolis, nach dem Fluss Almyropolis. Davor war es lange Malaria-Gegend und Heimat von Piraten. 1906 wurde Almyropolis in Georgioúpolis (Georgsstadt) unbenannt, nach Prinz Georg, dem ersten Hochkommissar von Kreta.

Das ehemalige Fischerdorf und Treffpunkt der Rucksacktouristen (80er Jahren) hat sich touristisch zu schnell negativ entwickelt. Immer mehr größere Hotels und immer mehr All Inklusive und Pauschalurlauber.
Auch von der „gemütlichen ländlichen Atmosphäre“ (womit der Apokoronas Lokalanzeiger, Reiseführer der Region wirbt), kann keine Rede mehr sein. Exopoli/Exopolis wird immer mehr zugebaut. Hier sind in den letzten Jahren über ein dutzend hochwertige Ferienhäuser/Anlagen entstanden und haben den Ort optisch verschandelt.

Am langen Sandstrand Richtung Kávros, Kávros heisst jetzt Paralía Kournás haben sich in den letzten Jahren dutzende kleinere und größere Resorts und Luxus-Resorts angesiedelt, wie das Pilot Beach Resort. Der negative Höhepunkt ist die gigantische Resort-Anlage, Hotel Anemos Luxury Grand Resort. Das Bauprojekt war für mich der I-Punkt und hat den noch wenigen restlichen Charme von Georgioúpolis und Umgebung endgültig begraben. Ganz zu schweigen von der peinlichen Touristen-Bimmelbahn….

Und der touristische Bauboom in Georgioúpolis und Umgebung geht ungebremst weiter, in Planung sind zwei All Inclusive 5 Sterne Luxushotel, dass eine mit Wasserpark. Beide Projekte sind vom Umweltausschuss genehmigt.

Bei meinen besuchen in Georgioúpolis habe ich für mich festgestellt, dass ich in Georgioúpolis nicht das Gefühl habe an einem kretischen Ort zu sein. Durch den Süßwasserfluss/Hafen, den Eukalyptusbäumen, dem trostlosen Dorfplatz aus Beton mit dem Brunnen. Wegen dem Brunnen wird Georgioúpolis auch gerne Castrop-Rauxel genannt. Ein Kafenio suchte ich vergebens. Mir fehlt einfach der Charme in Georgioúpolis, der für mich so viele anderen Orte auf Kreta ausmachen.

Es ist natürlich alles Geschmackssache, mir gefällt Georgioúpolis überhaupt nicht, Tausenden gefällt Georgioúpolis und Umgebung. So ist das halt. Mich zieht es lieber in den Südwesten, in die Sfakia zwischen Frangokástello und Paleochóra.

Ta Leme, kv


Kommentar von kretastalis vom 28.09.2010 23:34:23

Seit ca. 20 Jahren ist Kreta wie eine 2. Heimat für mich geworden. Viele km habe ich mit den Auto abgefahren und viel, sehr viel Wunderbares gesehen und erlebt. Doch in Kürze werde ich Georgioupolis besuchen und von dort Erkundungsfahrten starten. Dieser Artikel hat mir sehr gut gefallen und ich kann ihn in vielen Passagen, zwar nicht für Georgioupolis sondern allgemein bestätigen. Wenn ich am 18. 10.2010 Kreta verlasse, werde ich in meiner Heimat angekommen, mit Sicherheit einen Artikel schreiben und meine Eindrücke anderen Interessenten mitteilen.