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Ausflug nach Kalotarrittissa

Von Xristo

Am Abend kündigt Loni für den nächsten Tag einen Autoausflug nach Mersini zu Litzas neuer Taverne "Tzi-Tzi" an. Ich komme zum ersten Mal auf Donoussa in den Genuss, ein Autos selbst steuern. Mein Auftrag, Frau Paraskevis alten Mitsubischi mit 4 Frauen, über die neue Asphaltstraße nach Mersini und Kalotarittissa zu chauffieren. Die Viere scheinen sich köstlich zu amüsieren.

Die Fahrt geht weiter bis ans Ende der Straße nach Kalotaritissa. Paraskevis neues Feld muss besichtigt und gelobt werden. In dieser verlassenen Gegend unterhalb des Papas wachsen Tomaten und Bohnen, die angeblich kein Wasser benötigen, nur nächtlichen Tau. Dass dieses System funktioniert, sieht man an vielen kleinen schon roten Tomaten. Eine große Ziegenherde wandert auf der Straße hinter dem Hirten her, so viele Frauen und nur ein Mann witzeln die Fahrgäste. Ich sei ein guter Taxifahrer, welchen Gang ich gerade eingelegt hätte?

Auch in Kalotaritissa wurde gebaut, es entsteht ein neues Magazi. Michalis Taverne ist verrammelt, der schönste Platz des Ortes verweist. Die Erben wollen, wie man sagt, zuviel Pacht, dafür baut man wohl lieber selbst. Die Straße bringt den Tourismus zum Blühen, hilft aber auch, weit entfernte Felder wieder zu bewirtschaften.

Im "Tzi-Tzi" werden wir herzlich begrüßt. Die quirlige Litza strahlt vor Stolz über das, was sie hier mit Hilfe ihres italienischen Freundes geschaffen hat. Enrico baute aus alten Paletten Regale und bastelte die Dekoration. Sie muss aufpassen, nicht zuviel zu verschönern. Die Taverne liegt traumhaft direkt oberhalb der Landzunge Glaria. Zum Rundblick über die Südküste von Livadi bis Batos gibt es Mythos Bier, Salat und Omelétta me patátes. Der Blick streift über die Gärten an der Quelle - traumhaft. Die uralte Bäuerin Irini setzt sich zu uns, vielleicht ist sie auch erst 70. Die Würde und der Charme dieser alten Frau trotz fleckiger, verwaschener Kleidung beeindruckt mich. Ihr schönes braungegerbtes Gesicht ist voller Lachfalten. Sie kichert bei dem Hin und Her der Witzeleien. Die Frauen reden lebhaft und necken einander. Ich verstehe kein Wort, aber den Witz in Ihren Stimmen. Ich komme mir vor, wie auf dem Schulausflug einer Mädchenklasse. Als ich mich für die angenehme Gesellschaft der Ladies bedanke, prosten sie mir fröhlich zu. Das Wort "Ladies" haben sie schon vor der Übersetzung durch Loni kichernd akzeptiert. Anna kramt ein Schwarzweißfoto aus der Tasche, welches sie und Maritza als junge Mädels im Bikini zeigt. Die Frauen lachen sich kaputt mit dem Hinweis auf das inzwischen angesetzte Fett.

Loni winkt mich heran: Besuch in einem alten Bauernhaus. Allein hätte ich niemals hineingehen dürfen. Am Küchentisch sitzen zwei Frauen, Schwestern, beide sind taub, sprechen aber miteinander. Im Halbdunkel erkenne ich ihre in den Fels gehauenen Schlafhöhlen. Ein junges Kätzchen flüchtet irritiert unter einen mit undefinierbaren Stofflagen gepolsterten Diwan. Die arbeitgegerbten mehligen Hände der Schwestern rollen mit Besenstielen den Teig für Tirópita. Wir müssen eine der noch warmen mit Feta gefüllten Teigtasche probieren. Trotz des vollen Magens eine genussvolle Delikatesse. Zum Abschied bekommt jede meiner Passagiere einige Basilikumpflänzchen und den Rest der frischen Tirópites. Wenn ich diese alten Menschen sehe, kann ich den Fortschritt nicht länger bedauern. Es gibt einen Fernseher, einen Kühlschrank, eine Kühltruhe. "Sto kaló, kalo kalokéri".

Reisetagebuch

Mein Reisetagebuch der Reisen nach Donoussa habe ich im Selbstverlag herausgegeben, 220 Seiten mit Fotos und Freihand-Zeichnungen.
Anfragen unter: mo.chri.wieth@t-online.de

Geschrieben 29.10.2007, Geändert 29.10.2007, 2295 x gelesen.

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