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Thirassía – eine Schönheit für Individualisten

Von BlueGirl

Thirassía ist rau, aber wunderschön – so wie Santorin vor dreißig Jahren, als die Touristenströme auch dort noch überschaubarer waren. Man befindet sich in der Mitte vom Nirgendwo – so sehen es jedenfalls die Einwohner von Santorin. Für den Bewohner und Liebhaber von Thirassía stellt sich das natürlich ganz anders dar.

Hier findet man noch die ursprüngliche griechische Gastlichkeit und ein Blick in die Töpfe der Küche der Hausherrin vor der Auswahl der Speisen ist hier noch ein "Muss". Die Preise sind zumeist gesalzen, aber doch nicht schlimmer wie auf der Nachbarinsel. Bedenkt man, dass hier die Anlieferung meist noch schwieriger ist wie auf der Hauptinsel der Caldera, dann kommt es einem schon fast wieder preiswert vor.

Geologisch gesehen besitzt die kleine Schwester von Santorin die gleiche Form und denselben Aufbau wie Santorin – nur eben spiegelverkehrt, da sie den westlichen Ring um die Caldera bildet und nicht wie Santorin den östlichen. Mit einer Länge von etwa 5,7 km und 2,7 km Breite hat sie nur 9,4 m² Fläche zu bieten.

Die etwa 150 Einwohner von Thirassía sind stolze, ruhige, freundliche, hilfsbereite und meist ältere Menschen. Genau so verhalten Sie sich auch dem Fremden – dem Gast – gegenüber, kommt der - außerhalb der Touristenströme um Mittag - mit dem kleinen Taxiboot auf die Insel. Die großen Abfertigungsboote bleiben meist nur ein paar Stunden hier und bieten die einzige Möglichkeit vom Kuchen des Tourismus etwas abzubekommen. Wen wundert es da, dass die Einheimischen diese Chance wahr nehmen und dann etwas anders reagieren, als bei dem Gast der sich wirklich Zeit für Ihre Heimat nimmt.

Ein besserer Tipp für den, der die Insel kennen lernen möchte ist, somit das bereits erwähnte Taxiboot vom Hafen Ammoúdi unterhalb von Oía aus. In der Haupt- und Nebensaison fährt es meist dreimal täglich gegen acht, zwölf und sechzehn Uhr hinüber nach Ríva und Córfos – den beiden Häfen von Thirassía. Die Rückfahrt liegt zumeist eine Viertelstunde davor. Im Gegensatz zu den großen und überteuerten Touristenbooten von Firá aus kommend, zahlt man hier nur ein bis zwei Euro für die einfache Überfahrt (je nach Verbrauch des Motors ;-)) – eine unbezahlbare Kontaktmöglichkeit zu den Einheimischen inklusive. Die genauen Abfahrtszeiten sollte man ein oder zwei Tage vorher in der Touristenauskunft der Fähren in der Hauptgasse von Oía hinterfragen.

Wir lernten im September 2004 einen jungen Mann auf der Überfahrt kennen, der in Deutschland und Amerika studiert und seine Eltern auf Thirassía besuchen kam. Er erzählte uns viel über seine Jugend auf der Insel und empfahl uns einen Ritt mit den Eseln von Córfos hinauf nach Manolás. "Man fühlt sich wie John Wayne", meinte er lachend. Uns taten allerdings später die Tiere zu sehr leid, so dass wir zu Fuß hinauf wanderten und sie lieber dösen ließen.

Die Überfahrt nach Thirassía hat es in sich. Wer gerne Achterbahn fährt ist hier genau richtig. Leicht Seekranke sollten dann doch lieber die größeren Boote von Firá aus kommend nutzen. Auch fällt bei diesen Booten der Ausstieg meist angenehmer aus, als vom kräftig schaukelnden Taxiboot ohne Steg.

Festes Schuhwerk und eine gute Verpflegung mit Trinkwasser und ein wenig Proviant ist für Ausflüge hinüber nach Thirassía auf jeden Fall ein absolutes Muss! Hier sind die Eselspfade noch ausgetretener und ein Fuß noch leichter verdreht oder verstaucht als auf Santorin. Was allerdings gleich ist zur großen Schwester: Esel haben immer Vorfahrt! Nicht, dass dies so in der Straßenverkehrsordnung der Kykladen festgeschrieben wäre – nein, sie nehmen sich dieses Recht ganz einfach. Wer darauf pfeift, wird sich eines Besseren belehren lassen müssen und im harmlosesten Fall mit ein paar blauen Flecken davon kommen.

Wer in Ríva aussteigt, will meist nur baden gehen. Interessanter ist der zweite Hafen Córfos. Hier gelangt man über den steilen und extrem durchlöcherten Treppenweg hinauf nach Manolás – auch Thirassía-Ort genannt. Der Ort ist klein und hübsch anzuschauen. In den letzten Jahren wurde das Netz für Strom eingerichtet, aber immer noch nicht vollständig ausgebaut. Wasser kommt noch immer aus der Zisterne eines jeden Hauses – gesammelt aus den Regenfällen des Winterhalbjahres.

Diese Rauheit und Ursprünglichkeit lässt es den Besucher dann auch nicht weiter verwundern, dass das einzige Hotel der Insel – das Cavo Mare in Manolás – seit Jahren leer steht und immer mehr zu einer Bauruine verfällt. Unser Tipp ist daher auch ganz klar: Ausflug nach Thirassía ja, dort übernachten aber nur, wenn man sich über die Konsequenzen und Einbußen an Komfort wirklich klar ist! Selbst für eine Wanderung an die Südspitze von Thirassía und einen Besuch des Klosters Kímissi tis Theotókou reicht es die erste Fähre nach Thirassía hin und die letzte nach Santorin zurück zu nehmen.

Fazit: Diese Insel ist definitiv nichts für den normalen Pauschaltouristen – wer aber die Ruhe und Ursprünglichkeit Griechenlands sucht wird sie hier finden.

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Griechenland und me(e)hr...

Geschrieben 27.11.2006, Geändert 27.11.2006, 3664 x gelesen.

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Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar von kokkinos vrachos vom 07.05.2015 11:40:46

jassas, ich war gerade 5 Tage auf Thirassia. Auch fast 10 Jahre nach dem sehr schönen Bericht von BlueGirl hat sich auf Thirassia nichts verändert.

Von Santorini bestehen außer den Ausflugsschiffen folgende Möglichkeiten nach Thirassia zu kommen.

Beim "Taxiboot" handelt es sich um die kleine Thirassia (Lantza) und fährt die Bewohner von Thirassia kostenlos. Ebenfalls ist der Bus der vom Hafenort Riva/Thirassia zum Inselhauptort Manolas fährt kostenlos. (So stellt man sich eine sozialistische Gesellschaft vor)

Wie namorK schon geschrieben hat fährt die Thirassia 3x täglich von Oia/Santorini nach Riva und Korfos.

Die letzte Fahrt von Oia ist um 17 Uhr. Dann kommt man nicht mehr zurück nach Santorini, außer mittwochs mit der Aqua Spirit.

Eine weitere Möglichkeit ist 2xtäglich mit der Nissos Thirassia von von Athinos/Santorini nach Korfos/Thirassia.

Desweiteren besteht mit der Aqua Spirit/NEL von Athinios/Santorini nach Riva/Thirassia die Möglichkeit anzureisen. www.nel.gr
Achtung: Die Aqua Spirit sollte am 25.4. um 19 Uhr von Riva/Thirassia nach Athinios/Santorini fahren. Kam bereits um 18.35 Uhr an, und legte bereits um 18.45 Uhr wieder ab.

gruß, kv


Kommentar von namorK vom 04.05.2015 12:53:11

Update 2015:
das Taxiboot vom Hafen Ammoúdi ist nachwievor in Betrieb:
im Frühjahr 2015 hat es um 8 Uhr in Ammoúdi abgelegt und nach etwas 10 Minuten Fahrt in Riva und nochmal 10 Minuten in Córfos. Rückfahrt gibt es gegen 14 Uhr und gegen 17 Uhr.
Man kann gemütlich von Córfos hinauf nach Manolas spazieren und dann hinunter über die Fahrstraße (es ist aber kaum Verkehr auf der Insel), vorbei am Kloster Agia Irina, zum Hafen Riva. Man erreicht leicht das Mittagsboot, in der Badezeit kann man sich natürlich Zeit lassen (es gibt sowohl in Riva ein Restaurant und einen kleinen Strand) und das spätere Schiff nehmen.