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Gavdos - ich komme wieder

Von eulenspiegel

Etwa 1972 kamen wir hier her. Wir, das sind Hans, der lebensmüde Schaustellersohn einer Comödianten-Familie, und Anna, die wilde Sarachene. Ein griechisches Fernsehteam, dem wir uns anschlossen, drehte.

Papa Manolis dürfte sich besser an das Datum unserer ersten Ankunft auf Gavdos erinnern, denn 6 Monate später wurde dort mein erster Sohn geboren. Er taufte ihn auf den Namen Wasilis und der einstige Dorfpolizist war stolzer Taufpate.

Ich hätte vor dreissig Jahren wirklich nicht gedacht, einmal eine Webseite von Gavdos über die ganze Welt verbreitet zu sehen. Wollte ich Gavdos doch für mich behalten. Von wegen geschlossene Anstalt, nur für den, der nichts mit sich anzufangen weiss.

Ausgestiegen bin ich schon mit 5 Jahren, auf Gavdos angekommen mit späten 20. Ihr sollt auch noch erfahren wie, doch habe ich noch nebenbei einen Zircus zu führen und somit nur begrenzt Zeit.

Wir haben ein paar gute Jahre auf Gavdos gelebt, nach dem wir dem beinahe Krieg gegen die Türkei entkommen waren, der uns den Weg zum Iran abschnitt. Eigentlich waren wir auf dem Landweg nach Indien.

Dieses Schaustellerleben schlaucht den sensiblen Menschen derart, dass man so ein Eiland wie Gavdos einfach braucht. Gavdos, danke dass es dich gibt, du hingebungsvolle, immer wartende Insel mit deinem "zum Leben zu wenig" und deinem "zum Sterben zu viel". Du hast uns aufgenommen und Jahre ertragen. Hast geduldig unsere Zivilisationskrankheiten geschluckt, auch wenn du davon nicht ganz unverletzt bist. Wie alle anderen sind auch wir vor dreissig Jahren auf dich gestossen. Ganz bewusst hatte ich dich gewählt. In der stillen Einsamkeit zu mir finden wollte ich.

Und auch für uns war es ein Weg mit dem Boot der Post. Einst nur einmal in der Woche und im Winter nur einmal alle drei Monate. Auch bei uns gab es Delfine und Wind. Auch für uns gab es hohe Wellen und Angst. Aber was war es gegen die Angst in dem Rummel und für mich als Schausteller noch schlimmer auf dem Rummel der Grossstadt, selisch und moralich zugrunde zu gehen.

Auch für uns gab es nur drei Häuser und keinen Strom, keine Zigaretten. Und das Essen, die Früchte, so wie alle kleinen Lebensfreuden, die uns unentbehrlich, haben wir Sackweise in Paleochora gekauft. Aber es gab auch noch keinen Schmutz, keine Strassen und keine Fremden da. Stellt euch unser Glück vor. Das Auto hatten wir vorsorglich verschenkt, als wir auf die Insel gingen. Was sollten wir auch damit . Unsere drei Esel hätten es eh' nicht ziehen können. Und eine Strasse gab es noch nicht.

Doch mehr davon beim nächsten Mal.

Geschrieben 15.10.2002, Geändert 15.10.2002, 1970 x gelesen.

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