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Nach 25 Jahren endlich wieder auf Chios - Erste Eindrücke

Von Kassandra60

Dass der Flughafen auf Chios noch so geblieben ist, wie ich ihn vor langer Zeit kennen gelernt habe, war schon einmal die erste positive Überraschung. Ach ja, das Gepäckband gab es damals - so glaube ich wenigstens – noch nicht. Das und die vielen Autos und Motorräder war das einzige, was sich in 25 Jahren auf den ersten Blick verändert hatte. Na klar, später sahen wir dann natürlich auch, dass sich die Anzahl von Gewerbebetrieben entlang der Hafenstraße vervielfältigt hatten. Aber alles in allem hat sich Chios weit weniger verändert als ich befürchtet hatte; zumindest was Chios Chora angeht.
Kurz nach unserer Ankunft zog eine große Prozession die Hafenstraße entlang zur Kirche des Heiligen Jakobus. Der Anlass der Prozession (13. Mai) ist mir jedoch derzeit nicht bekannt.

Und dann kamen die ersten Begegnungen mit den Menschen hier. Soviel Freundlichkeit, solch eine Gastfreundschaft, solch eine Hilfsbereitschaft, das hatten wir bei all unseren Griechenlandaufenthalten noch nirgends so erlebt. Eine Frau, die wir nach dem Weg zu einer bestimmten Adresse fragten, lief durch einen ganzen Stadtteil mit uns und erzählte uns so einiges aus ihrem Viertel „Frourio“, auch Kastro genannt.
Andern Tags schauten wir im Busbahnhof nach den Verbindungen in den Süden der Insel. Die Damen am Schalter der KTEL sah uns, sprach uns an und gab uns so viele Tipps, die sie auf die Rückseite des Fahrplans schrieb. Andere Kunden, die ein Ticket kaufen wollten, bedeutete sie, dass sie sich einen Moment gedulden mögen.
Jeder, aber auch wirklich jeder, mit dem wir in Kontakt kamen, war von einer wohltuenden Freund-lichkeit, wie ich sie vor 30 Jahren auf der Insel erlebt hatte; nein, da war auch nichts Aufgesetztes, Erzwungenes oder kommerziell Berechnendes, das waren einfach DIE Griechen, wie ich sie seit über 40 Jahren liebe.
Und weil es uns im Stadtteil Kastro so gut gefiel, nahmen wir auch gleich in den gemütlichen Stühlen Platz, wo wir gerade waren. Erst ein wenig später entdeckte ich den kleinen türkischen Friedhof dort, über den Theo ja schon berichtet hatte. Diesen Platz dort hatten sie sehr geschmackvoll unter Berücksichtigung der alten Gemäuer wieder hergestellt. Wir fühlten uns wie in einem eigenen kleinen Dorf, im dem auch keine Autos fahren durften. Den Platz beherrschte die Lokalität, zu der das Cafe und die Taverne gehörte. Sie scheinen wohl beide zusammen zu gehören, denn Kaffee, Eis, Cocktails und Süßspeisen kamen aus dem Cafe und alle anderen Speisen aus der Taverne. Eine Speisekarte? Nein, die gab es nicht. Dafür empfahl uns die nette Wirtin eine Vorspeisen-Vielfalt aus 7 unterschiedlichen Gerichten. Vom Nachbartisch aus signalisierte uns ein Ehepaar, dass das sehr zu empfehlen sei. Eigentlich lassen wir uns sonst nicht von anderen beeinflussen, doch heute wagten wir in unserer Begeisterung auch das. Schauen wir mal, welche Überraschungen da wohl zum Vorschein kommen werden. Der obligatorische griechische Bauernsalat und ein ganz spezieller Rote- Beete-Salat machten den Anfang. Nach einer Weile kam ein Stück Käsekuchen, den Männe für Apfelkuchen hielt und entsprechend schockiert war. Er mag nun mal keinen Käse und warm schon mal gar nicht, zu meinem Glück. Dolmadakia und Tsatziki folgten und dann gab es da noch die beiden Würste, die aussahen wir Bratwurst, aber mit unserer Vorstellung von Bratwurst rein gar nichts zu tun haben. Ihre Konsistenz ist härter und ihre mediterranen Gewürze dominierend; interessant, aber für Männe gewöhnungsbedürftig. Aber dann kamen seine geliebten Keftedakia in leckerer Soße. Ja, das war ganz nach Männes Geschmack. Dafür durfte ich mich dann später noch an einem ganzen Pfännchen einer über-backenen lokalen Käsespezialität (Mastelo) gütlich tun. Reichlich gemästet kamen wir uns vor und der vom Chef spendierte Ouzo machte uns dann endgültig bettschwer, wenn – ja wenn wir dann nicht auf dem Heimweg beim Fährenanleger vorbeigekommen wären.
Ja, was ist denn hier los? Mit schriller Pfeife und unmissverständlicher Armfuchtelei regelte die zierliche Polizistin, die wir schon am Nachmittag bewundern durften, den fast im Chaos untergehenden Verkehr. Aber das ist wiederum eine andere Geschichte, die Geschichte von den Teufelskerlen im Hafen von Chios.

Geschrieben 18.05.2012, Geändert 18.05.2012, 1541 x gelesen.

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