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Nachhaltiger Fischfang - Samos

Von maxe

SAMOS - IMMER WIEDER SCHÖN

Und wieder haben wir einen wunderbaren Urlaub auf Samos verbracht. Nach dem vergangenen, sehr regenreichen Winter grünte und blühte alles besonders üppig. Ein Genuss hier Anfang Mai zu wandern! Aber auch zum Schwimmen war es keineswegs zu kalt. Wenn man wir wir jedes Jahr ein- bis zweimal auf griechischen Inseln verbringt und sich gern mit Einheimischen unterhält, bekommt natürlich auch Einblick in verschiedenste Bereiche des Alltagslebens vor Ort.

EINZIGARTIGE BUCHT "ORMOS MARATHOKAMPOS"

Diesmal möchte ich insbesondere auf den Schutz der einzigartigen Bucht von Ormos Marathokampos eingehen. Diese große Bucht im Süden der Insel Samos erstreckt sich von Maria Punta (Westen) bis Ormos Kumeika (Osten) und ist gekennzeichnet durch eine besondere Vielfalt an Meeresflora und Meerestieren. Leider ist in den vergangenen Jahrzehnten der Fischreichtum durch destruktive Fischfangmethoden und Überfischung kontinuierlich dezimiert worden. Griechenland macht da keine Ausnahme. Mittlerweile können nicht mehr viele traditionelle Fischerfamilien von ihrem Einkommen leben. Im Ort Ormos Marathokampos – einem typischen Fischerdorf mit rund 300 Einwohnern – sind es inzwischen nur noch fünf Familien, die ihren Lebensunterhalt mithilfe ihrer kleinen Fischkutter verdienen. Dafür müssen sie allerdings ununterbrochen raus. Netze auswerfen, wieder einholen – egal, ob spät, früh, werktags oder sonntags.

"RAUBTIER ANEMOTRATA"

"Unsere Fangquote geht ständig zurück. Ich schätze, dass es rund 80 Prozent weniger Fisch gibt als vor 20 Jahren – und das betrifft alle Meerestiere, also auch Tintenfische", erzählt mir Nikos H., selbst Fischer und Vertreter des Dorfes im Berufsverband der samiotischen Fischer. "Das was noch zu holen ist, greifen die großen kommerziellen Boote mit ihren Schleppnetzen ab. Diese sogenannten Anemotrates (Sing. Anemotrata, von anemos=Wind) pflügen den Boden mit ihren Metallrädern regelrecht um, erwischen alles aufgewühlte Meeresgetier mit ihren enormen Schleppnetzen wie in einem großen Staubsaugerbeutel und zerstören ebenfalls die Fauna – wie Korallenriffe.

Diese destruktive Fangweise verhindert auch, dass ausreichend Jungfische nachwachsen können. Normalerweise dürfen die Anemotrata nur im Abstand von 1,5 Seemeilen zur Küste fischen, aber diese Regel wird oft nicht eingehalten. Wovon ich ich beim Spaziergang von Limnionas zur "Taverne am Ende der Welt" selbst überzeugen konnte. Ein griechischer Freund berichtete mir übrigens von ähnlichen Vorfällen an der Südküste der Insel Ikaria. Immer wieder kommen die Boote der Küste recht nah, besonders an den ausladenden Landzungen.

NACHHALTIGER FISCHFANG UND AUFBAU EINER GESCHÜTZTEN MARITIMEN ZONE

Vor Ort ist man überzeugt, etwas dagegen unternehmen zu müssen. Hier sind Fischfang und Tourismus Haupteinnahmequellen. Beides ist auch miteinander verwoben – eine intakte Umwelt nutzt ohne Frage dem Tourismus. So gibt es Überlegungen mit einem besonderen Projekt den Lebensraum aller Meerestiere zu schützen und mit sogenannten Parks die maritime Vielfalt in diesem Gebiet nachhaltig wieder aufzubauen und zu bewahren. Schleppnetze könnten hier dann nicht mehr entlang gezogen werden, ohne selbst zerstört zu werden. Nur die kleinen Kutter (Kaikis) würden weiterhin ihrer Arbeit nachgehen können. Ähnliche Projekte in anderen mediterranen Regionen sind bereits erfolgreich, so auf Allonissos und auch Zakinthos, hier allerdings ohne die eigens geschaffenen Lebensräume für Fische und Hindernisse für die Anemotrates. Natürlich kostet dies auch Geld, an dem es in Griechenland ohnehin leider fehlt. Aber hier wäre es gut und zukunftsträchtig investiert. Hoffentlich klappt´s.

Wer will kann sich im Internet gerne mal zur Schleppnetzfischerei selbst kundig machen:
www.bund.net/themen_und_projekte/meeress chutz/belastungen/fischerei/fangmethoden /
Eigentlich ist es skandalös, dass diese Form äußerst zerstörerischer industrieller Fischerei überhaupt erlaubt ist. Aber in Zeiten auch von Massentierhaltung nicht verwunderlich.

Maxe

Geschrieben 01.07.2015, Geändert 01.07.2015, 3516 x gelesen.

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