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Louloudies, einst eine prunkvolle byzantinische Festung

Von Olympbewohner

Wie versprochen stelle ich hier gelegentlich einzelne Kapitel aus dem Olymp Reiseführer vor. Das Thema heute: Louloudies. Beim Bau der neuen Bahnlinie von Athen nach Thessaloniki wurde vor einigen Jahren ein zur Festung ausgebauter byzantinischer Bischofssitz entdeckt. Diese Ausgrabungsstätte liegt recht verborgen und ist sogar den meisten Einheimischen unbekannt.

Hier noch eine wichtige Information: Eingebettet in das Buch findet ihr eine Navigationsfunktion. Ihr werdet so sicher bis zum Parkplatz jeder, auch noch so versteckter, Sehenswürdigkeit geleitet!

Wer möchte kann sich den Reiseführer hier kostenlos herunterladen: bit.ly/Olympos-20

Der Komplex liegt 2,6 km nordöstlich der makedonischen Gräber von Korinos und 5,8 km südlich des antiken Pydna. Mitte des 19. Jahrhunderts lokalisierte der französische Archäologe Léon Heuzey die Hügel nordwestlich von Louloudies als den Ort, an dem 168 v. Chr. die Schlacht von Pydna stattfand.

Geschichte

Der Ort war seit mykenischer Zeit bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. permanent besiedelt. Er hatte den Charakter einer Ortschaft, die Reisenden zwischen Thessaloniki und Larissa als Station diente.
Die Goten belagerten Thessaloniki im Jahr 479 n. Chr. Um Schaden von der Stadt abzuwenden, einigte sich der Magistrat der Stadt mit den Belagerern darauf, einige andere makedonische Städte unter gotische Aufsicht zu stellen. Darunter befanden sich Pella, Pydna, Dion und Veria. Pydna (Kitros) wurde zum Bischofssitz ernannt, der Bischof selbst aber residierte in Louloudies.
Die einer Festung ähnelnde Anlage wurde im letzten Viertel des 5. Jahrhunderts erbaut. Wahrscheinlich handelt es sich um dasselbe Areal, das in römischen Aufzeichnungen Anamon genannt wurde. In der Mitte des 6. Jahrhunderts wurden die Gebäude durch ein Erdbeben zerstört. Der Bischof verließ den Ort, dieser wurde in der Folgezeit als Friedhof benutzt. Im 7. Jahrhundert wurde Louloudies nach Angriffen von „Barbaren“ endgültig aufgegeben.

Die Anlage

Der gesamte Komplex besitzt eine Grundfläche von 80 mal 90 m. Er war von einer Mauer umgeben. Zu seiner Verteidigung wurden vier rechteckige Türme erbaut, die sich an den Ecken des Schutzwalls befanden. Ein doppeltes Tor an der Westseite durchbrach die Mauerlinie. Das äußere Tor war mit einem Fallgitter versehen. Auf der Schwelle kann man noch die Spuren von Fahrzeugen sehen, die einst hier verkehrten. In der ersten Bauphase wurden eine dreischiffige Basilika (Grundriss 35,50 mal 19 m) und ein Wohnsitz für den Bischof errichtet. Auffällig waren der Empfangsraum und die Säulengänge des Gebäudes. Die Böden sind mit Mosaiken geschmückt. Dargestellt werden überwiegend geometrische Figuren, Tierfiguren sind selten. Unter dem Palast wurden Überreste einer Villa aus dem frühen 4. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Während der Regierungszeit Justinians I. (527 bis 567 n. Chr.) erweiterte man den Komplex und baute die Räumlichkeiten aus. Anlagen für die Produktion von Wein und Olivenöl wurden eingerichtet, in der südwestlichen Ecke wurden zwei Lagerhäuser gebaut. Ein weiteres Depot stand in der Nähe des Westturms, außerhalb der Schutzmauern.

Man hat innerhalb der Anlage acht Einzelgräber gefunden. Sie haben eine gewölbte Decke, teilweise blieb die sehenswerte Bemalung erhalten. Weiterhin wurde eine größere Anzahl von einfach ausgestatteten Gräbern entdeckt, die aus dem 3. bis 6. Jahrhundert n. Chr. stammen.

Ausgrabungen

Die Grabungsarbeiten fanden von 1993 bis 1997 statt und wurden von der Behörde für byzantinische Altertümer in Thessaloniki geleitet. Die Trasse der Bahnlinie teilt die Ausgrabungsstätte diagonal. Die Reste des westlichen Wehrturms und ein Stück der Mauer befinden sich außerhalb des zugänglichen Geländes.
Zahlreiche Funde bringen etwas Licht in den Zeitraum zwischen dem 4. und dem 7. Jahrhundert n. Chr., einer Epoche, über die wenig Informationen für diesen Teil Makedoniens vorliegen. Sie zeugen von der Bedeutung des Bischofssitzes und geben Hinweise auf das tägliche Leben und die vorhandene Technik dieser Zeit. Nachdem die Anlage von ihren Bewohnern endgültig verlassen wurde, siedelten sich Handwerksbetriebe an. Es wurden eine Bildhauerwerkstatt, Reste eines Brennofens für Töpferwaren und Schmelzöfen für Glasprodukte und für Metall gefunden.

Geschrieben 09.12.2020, Geändert 09.12.2020, 325 x gelesen.

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