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Spätsommer am Astraka

Von Petros Milatos

Zum Kontrast und Ausklang eines 4 - wöchigen Segelurlaubes im Ionischen Meer wollten wir die Zagoria Dörfer im nördlichen Pindus besuchen.
Mikro Papingo war unser Ziel. Nach langer , aber unglaublich schöner Anfahrt gelangten wir auf den Parkplatz an der Kirche, wo auch die Straße endete.
Mit kleinem Gepäck machten wir uns auf den Weg nach einer Unterkunft und wurden auch sofort fündig: keine 50 Meter entfernt begrüsste und der Wirt des einzigen Xenodochio am Ort ( sieht man mal von dem Luxushotel über dem Ort ab) sehr freundlich und wies uns ein Turmzimmer mit Rundumblick an. Es war schon Mitte September - hier oben erwachte der Herbst und mit ihm die Blätterfärbung. Neben ein paar Polinnen und einem englischen Ehepaar waren wir die einzigen Gäste. Viel Geld wurde von der EU in diese Region gepumpt- zum Erhalt der einzigartigen Natur- undKulturlandschaft - und zum Ausbau des Tourismusgeschäftes. Was wir in den einzelnen Dörfern an Bettenkapazitäten hoch rechneten, erfüllte uns mit mehr als Skepsis: Wer um alles in der Welt sollte hier dieses Angebot derart annehmen, dass sich das rechnete? Oder war es wieder ein typisch "griechisches" Hirngespinst, geboren aus Neid und Missgunst:: Wenn mein Nachbar ein Hotel eröffnet , dann mach ich auch eines auf - und sei es nur, um ihm einige Gäste weg zu werben. Jedenfalls konnten wir uns nicht vorstellen, dass die vorhandene Bettenkapazität jemals ausgelastet werden könnte.
Welch eine Landschaft rundrum! Einfach nur sitzen und schauen. Nie hätten wir für möglich gehalten, dass es hier oben solch spektakuläre Berge, Schluchten und Dörfer gibt. Die Dörfer mit ihren grauweißen Steinhäusern, viele mit Liebe restauriert, jedes für sich eine kleines Schloß Neuschwanstein. Und diese Dächer! Schieferplatten, die nur aus Eigengewicht aufeinander halten und das Dach abdichten. Wir haben einen dieser Dachdeckerkünstler bei der Arbeit beobachtet und waren fasziniert von seiner Gabe, die Lage der Steine genau beurteilen zu können , damit sie fest und dicht saßen.
So ein Dach wiegt gut und gerne 25 - 30 Tonnen. Tonnen! Das sind 30 000 Kg, so viel, wie 30 MittelklassePKWs - unglaublich. Welche Last hier die Balken zu tragen hatten! Der Dachstuhl, von innen zumeist offen und sichtbar, ist ein gigantischer Verbund von ineinander verkeilten Balken, nach einem bestimmten System zueinander angeordnet, um das auf ihnen lastende Gewicht gleichmäßig zu verteilen und zu tragen. Eine phantastische Handwerkersleistung!
Das Wetter war nach wie vor gut und so machten wir uns auf den Weg zur weit und breit einzigen Berghütte , dem refugio auf 1900 Metern Höhe, unterhalb des Astraka, einem der höchsten Gipfel in der Umgebung mit 2436 Metern. Nur der Timfi dahinter ist noch höher: 2497 m. Knapp 1000 Höhenmeter waren zu bewältigen, jedoch auf einem gut ausgeschilderten und gut zu begehenden Wanderpfad kein Problem. Die Hütte wird bewirtet bis Ende September. Die Versorgung wird einzig und allein sicher gestellt durch Maultiertransporte, die zweimal die Woche Nachschub aus Mikro Papingo heranschleppen.
Vom Sattel am Refugio bietet sich ein grandioser Rundblick über die höchsten Erhebungen des nördlichen Pindusgebirges, Smolikas, Timfi und Astraka. Für Bergwanderer ein Dorado! Gut ausgeschilderte und begehbare Pfade sind in der Broschüre beschrieben, die man im Ort unten im sehenswerten Museum, welches eher eine Ausstellung ist, zu bekommen.
Den Zauber der Landschaft hat Costas Zissi, ein in Ioannina 1960 geborener Fotograf und Epirusgrieche aus Leidenschaft, in seinem Fotobuch. "Zagoria - Images of a greek heritage" festgehalten. Ein Werk, welches jeder Liebhaber der Griechischen Natur und urprünglicher Kultur in seinem Bücherschrank stehen haben sollte.
Adresse: www.costaszissis.com

Geschrieben 14.11.2009, Geändert 17.11.2009, 4034 x gelesen.

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