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Kithnos, eine kleine und eine feine Insel, griechisch und typisch geblieben

Von katzzas

Kithnos, eine kleine und eine feine Insel, griechisch und typisch geblieben

Die schieferigen, niedrigen Weidehügel sind windumtost und in den ruhigen Erossiosntälern wachsen Oliven, Tomaten, Kapern und Wein…Kithnos ist vielerorts noch einsam und ursprünglich.
Heiße Thermalquellen im Norden und Kalkblumen auf den verschlungen, urtypischen Gassen in Driopis und Chora prägen das provinzielle Umfeld. In Driopis befindet sich die zweitgrößte Tropfsteinhöhe Griechenlands, leider nur noch mit sehr wenigen Stalaktiten und Stalagmiten ausgestattet…da diese dem Erzabbau und Transport der Erze zum Opfer gefallen sind, trotzdem ist sie ein beeindruckendes Erlebnis.
Die Landwirtschaft ist noch deutlich vorhanden, auf den vielen, teils uralten Terrassenfeldern wird Wein angebaut und es wächst Gerste.
Auf Kithnos wird noch viel und liebevoll in Handarbeit getöpfert, viele kleine und schöne Dinge für den täglichen Gebrauch…aber auch riesige Obstschalen, die sich aufgrund ihrer Größe leider jedweder Transportmöglichkeit nach Hause im Flieger entziehen.

Schön ist sie, die „kleine Insel“, die sich mit einem architektonisch reizvollen Mix zwischen kykladisch blauweißen Kuben und südeuropäisch anmutenden Ziegeldächern mit Mönch-Nonne Deckung präsentiert.
Hübsch sind die Strassenmuster mit den geometrischen Ornamenten, den liebevoll ausgemalten Blumenmustern und den gepflasterten Treppengassen in den traditionell geprägten Dörfern im Inselinneren…eher touristisch dagegen mutet Merichas mit dem Inselhafen an. Viele Lokale säumen die Uferpromenade hier, doch wir persönlich fanden diese eher gesichtslos und nicht sehr liebevoll bewirtschaftet.
In der Woche schlummert die Insel eher ruhig vor sich hin, ab Freitagnachmittag jedoch sind die Athener im Anmarsch, die Fahrt von Athen ist nicht lang und viele nutzen die Sommerfrische von Kithnos verbunden mit der relativ kurzen Fahrt, um den Smog-Ausdünstungen und der Hitze der Hauptstadt erfolgreich für ein paar Tage zu entfliehen.

Ein Inselbericht:

Die Adamantis Korais bringt uns am 21.6. 2017 von Naxos über Sifnos nach Kithnos, das erste Mal liegt diese Insel in unserem Reisefocus, wir sind sehr gespannt.
Gelesen haben über die Insel vorher…aber es gibt nicht viel Informationen, Kithnos gibt sich ziemlich geheimnisvoll….

Um 18h spuckt uns die Fähre in Merichas von Bord, nur eine Handvoll Menschen kommt mit uns an Land. Ruhig sieht es aus, der Hafen liegt voll mit Seglern, wenig Menschen sind im Ort zu sehen.
Unser Studio haben wir von unterwegs vorgebucht, wir werden abgeholt und sind froh darum…es geht gut bergauf. Unser Studio ist griechisch untypisch modern aber gemütlich eingerichtet, wir fühlen uns sofort sehr wohl. Der weite Blick vom Balkon geht über das Hafenbecken und die Bucht von Merichas.
Wir erkunden noch den Bäcker und den kleinen Supermarkt für den Einkauf am nächsten Morgen für das Frühstück, das abendliche Essen in der Hafenbucht ist wenig
aufregend….es wird sich besseres zeigen im Laufe der Woche.

Der erste Morgen, also Auto abholen und los über die Insel.
Viele Windmühlen gibt es, egal welchen Weg wir fahren, heute zuerst wollen wir heute nach Driopis.
Viele gepflasterte Treppengassen erwarten uns, verschlungen und stufenreich, die beiden Ortsteile von Driopis liegen sich an zwei Talhängen gegenüber. Es gibt schöne kleine Tavernen, einen Bäcker und die sehenswerte Kirche Agios Minas.
Aber eigentlich suchen wir die Höhle Katafiki…eine der größten Tropfsteinhöhlen Griechenlands…nur wir finden sie nicht. Nach Zuhilfenahme von Google Earth und Navigation ergreifen wir die naheliegendste Lösung…wir fragen😊

Und endlich, nach gut einer Stunde der Suche in den verwirrenden Gassen, hilft uns ein Insulaner: im Prinzip sind wir vorher nur einen Steinwurf vom Eingang entfernt gewesen…Griechenland und seiner innovativen Beschilderung sei Dank.

Die Höhle ist nur von Juli bis Mitte August, kostenlos mit Führung, zu besichtigen. Wir hatten Glück, da es in Driopis gerade ein Fest eines Dorfheiligen gab…wir dürfen (ausnahmsweise) rein.
Zwei parallele Gänge sind zugänglich, nicht lang aber beindruckend. Tropfsteine gibt es nur noch wenige, sie sind dem Erzabbau im 19Jhd. zum Opfer gefallen. Aber es gibt trotzdem schöne und beindruckende Felsformationen…z. B. einen Oktopus oder eine Harfe, szenisch beleuchtet, aber sehr schön.
Die Gänge des ehemaligen Erzstollens sollen sich unterirdisch ca. 4km lang bis in die Nähe von Lefkas ziehen…leider konnten wir das nicht erkunden, weil sie als einsturzgefährdet gesperrt sind.
Nicht das uns das sonst so sehr kümmert, aber hier verschließt ein Tor den Eingang.

Da uns der Erzabbau auf den Kykladen aber grundsätzlich interessiert, haben wir noch nach weiteren Relikten aus dieser Zeit gesucht und auch gefunden. Zwischen Driopis und Lefkas liegen, nur erreichbar querfeldein und über Ziegenpfade, des ehemaligen Wirtschafts,- und Unterkunftsgebäude der Minengesellschaft. Viel ist, im Gegensatz zu z. B. zu Milos, nicht erhalten…aber der Schatten der Vergangenheit der Minenarbeiter aus der Zeit liegt trotz allem noch in der Luft.
Alte Bettrahmen und Fensterläden, ein paar Gerätschaften zeugen von der vergangenen Epoche hier. Von der alten Verladeseilbahn, wie auf Naxos in Moutsouna, ist leider nichts mehr zu sehen. So viel zur Vergangenheit, weiter geht es nach Chora, dem Hauptort der Insel auf 160m über dem Meer.

Auf dem Weg, in einer scharfen Spitzkehre an der Straße dorthin, liegt eine große Imkerei mit inseleigenen Bienen, die ab Juli selbstproduzierten Thymianhonig und weitere Honigprodukte, Honigwaben und diverse Marmeladen verkauft. Wir durften zwar mit dem freundlichen Imker alles gerne besichtigen, aber da wir eben im Juni dort waren, gab es leider keinen Honig zu kaufen.

Chora: auch hier viele labyrinthische Gassen, wunderschön mit Blumenmustern verziert, ganz schnell haben wir uns in den vielen torüberwölbten Gässchen verlaufen. Am Hauptweg von der zentralen Platia liegen viele kleine Bars und Tavernen, ausländische Touristen sieht man dagegen fast gar nicht und das Ende Juni.

Man bleibt gerne unter sich, griechische Touristen gab es nämlich im Gegensatz dazu ganz reichlich, aber wir werden überall freundlich gegrüßt und willkommen geheißen.
Viele der ins Nichts führenden Treppen und Treppchen sind mit farbenfrohen Skulpturen „bevölkert“, häufig auch mit diversen Töpferwaren, auch Kithnos ist mal wieder eine Töpferinsel. Nicht so stark ausgeprägt wie auf Sifnos, aber es gab einige geöffnete Produktionsstätten, wo wir häufig den Töpfern beim Arbeiten zusehen durften. Wer mag, kann dort auch an Töpferkursen teilnehmen.
Auffallend in Chora sind die liebevoll ausgestatteten Lokale, überall bunt bemalte Stühle, Tische und sonstiges Mobiliar, fast schon ein bisschen kitschig aber trotz allem authentisch.

Loutra, die Thermalquellen dort sind auch einer der Gründe, warum wir diese Insel besuchen.
Die Fahrt von Chora nach Loutra zieht sich durch reichlich mit Serpentinen gespickten Kurven durch die doch eigentlich recht flache Landschaft.
Gedanklich sehen wir Therma auf Ikaria vor uns, alte Badehäuser und Wannen knapp aus der Antike entsprungen, aber wir finden bei unserem ersten Besuch in Loutra erst einmal: gar nichts??
Ratlosigkeit macht sich breit, bis wir auf dem geschotterten Parkplatz ein dampfendes Rinnsal in einem schmalen Kanal eingefasst entdecken…wer hätte das gedacht.
Verfolgt man diese Rinnen, die sich dann auch leicht mit der Nase aufspüren lassen, findet man im Meer direkt am Stand einen Stein,- und Felswall, gefüllt mit eisen,- und schwefelhaltigem Wasser.
Beim ersten Versuch in diese „Wanne“ zu steigen, verbrennt man sich dann auch fast die Füße, die 1. Quelle läuft mit 52°C heißem Quellwasser direkt in das Becken und verteilt sich erst im Anschluss gemächlich in dem kühleren Meerwasser. Die 2. Quelle stößt mit angenehmen 37°C parallel hinzu.
Nach dem Ersten Hitzeschock und sorgfältiger Auswahl der persönlichen „Parkposition“ in dem Becken ist es jedoch erstaunlich angenehm, draußen waren immerhin auch 30°C, das Bad in reinem Meerwasser im Anschluss war richtig erfrischend.

An der anschließenden Hafenpromenade reihen sich schön aufgemachte Tavernen dicht an dicht aneinander, so viele hätten wir hier tatsächlich nicht erwartet. Die Tische und Stühle stehen alle im Sand, schattig und gemütlich überdacht. Durch den fast ausschließlich griechischen Kur,- und Badetourismus hat sich die Qualität des Essen auf einem recht hohen Standart gehalten, es gibt einige typische Inselspezialitäten, wie diese unglaublich leckeren Sfougata, frittierte Käsebällchen, sowie den recht eigensinnigen Inselwein. Wir haben uns für die Taverne „O Koutsikus“ entschieden und sehr lecker gegessen, begleitet von einem aufmerksamen und liebevollen Service.
Das haben wir in unserem Wohnort Merichas leider ganz anders erlebt.

Weiter nördlich, in der Verlängerung der Hafenpromenade finden Interessierte noch alte Verladeanlagenanlagen der Erzverladung aus dem 19. Jhd.

Uns war es zum Baden in Loutra am Stand einfach zu voll, wer es ruhiger mag, folgt wie wir den Straßen weiter in Richtung Norden, zu einigen ruhigeren kleinen Badbuchten.
Achtung: die Straßen sind, je weiter man gen Norden fährt, nicht im allerbesten Zustand, wir sind die Stichstraßen zum Meer runter lieber zu Fuß gelaufen. Vernünftige Laufschuhe reichen hier aus, in Flip-Flops dürfte es sicher schwierig und auch gefährlich werden.

An der Westküste gibt es dafür viele, zumindest für Kithnos, größere Sandbuchten mit Tamarisken, die alle auch mit dem Auto erreichbar sind. Einzige Ausnahme ist der Isthmos Stin Kolonna, hier ist die holperige, ausgewaschene Piste nur noch mit Geländewagen zu befahren oder eben zu Fuß zu laufen. Es gibt ab Merichas auch ein Badekaiki, welches für stolze 10 Euro im Stundentakt pendelt.
Da Kithnos jedoch fast vollständig Baum,- und damit Schattenlos ist und es uns Ende Juni zum Laufen einfach schon zu warm war, haben wir uns diesen Stand nur von der Küstenstrasse aus angesehen, knallvoll mit Jachten und Booten wäre vermutlich ohnehin kaum mehr ein Platz für uns gewesen.

Ganz im Süden von Kithnos liegt noch der kleine, sehr überschaubare Badeort Ag. Dimitrios mit zwei kleinen Tavernen, in die Hänge gebaute kylakdische Kuben-Häuser und eine paar Tamarisken, ein einsames ablegenes Fleckchen der Insel. Ab Chora ist man locker eine Stunde unterwegs, aber die Straßen waren in sehr gutem Zustand. Wer also mal einen ganz ruhigen Ort braucht, ist hier sicherlich gut aufgehoben, geöffnet ist hier allerdings ausschließlich in der Hauptsaison.

Noch ein Rat in eigener Sache: da Kithnos nur einen „Katzensprung“ von Athen entfernt liegt, wird es am Wochenende gerne sehr schnell sehr voll. Wir hatten das so nicht bedacht und hatten unserem Abreisetag leichtsinnigerweise auf einen Sonntag gelegt…ehrlich: dass so viele Menschen, Busse, Autos…..auf eine Fähre passen hätten wir im Leben nicht geglaubt und haben es so vorher in 25 Jahren Kykladenreisen auch noch nicht so gesehen. Das Gleiche dürfte für eine Anreise an einem Freitag gelten.

Unser persönliches Fazit: Kithnos ist eine gemütliche, griechisch gebliebene Kyklade, die einen Abstecher abseits der üblichen Inselrouten sehr lohnt. Für uns haben 5 Tage ausgereicht, um sie zu erkunden, aber das ist wie immer natürlich unsere eigene Sicht der Dinge.

(übrigens, wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten😊)







Geschrieben 11.02.2018, Geändert 11.02.2018, 2373 x gelesen.

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Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar von Richi vom 25.02.2018 12:54:18

Klingt interessant.
Wobei, Inseln, die am Wochenende das Ziel der Athener sind, haben schon ihr ganz eigenes Flair. Da läuft unsereins nur unter ferner liefen...