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Twiganauten fragen: Was haben Mönchsrobben und Mönche gemeinsam?

Von twiganauten

Insel Pelagonisi in den nördlichen Sporaden
Der Wind dreht, heftiger Schwell kommt in die Bucht, und wir verlassen wie alle anderen Segler hier schnell diesen plötzlich sehr ungemütlichen Ankerplatz. Eigentlich wollen wir nach Norden und mehr von Chalkidike sehen, aber jetzt gegen Wind und Welle gegenan zu knüppeln macht uns keine Freude, also wählen wir unser Ziel wie Poseidon es will und segeln nach Süden. 42 NM sind es bis zur sehr geschützten Ankerbucht Planitis im Norden der Insel Pelagonisi in den nördlichen Sporaden. Es weht tüchtig, doch achterlich und so macht das Segeln richtig Freude. Der Wind ist warm, wir segeln trocken, die Wellen schieben uns voran, für die Arbeiten auf dem Vorschiff muss ich mich doch anseilen, denn wer bei Sturm über Bord geht wird möglicherweise nicht schnell genug wieder gefunden. In der nur 28 Meter engen Einfahrt zur Bucht Planitis begrüßt uns eine vergnügt aus dem Wasser schauende Mönchsrobbe. Nach 9 Stunden segeln finden wir im hinteren Abschnitt auf 3 Meter Wassertiefe und Sandgrund einen bestens geschützten Platz. Nur wenige Boote sind heute vor Anker, letztes Jahr war hier mehr los. Die Insel ist unbewohnt, an den Hängen können wir keine Terrassierungen, Zeichen einer Bebauung sehen. Für uns ist dies verwunderlich, denn die Insel hat Wasserquellen und außer diesem hervorragenden nördlichen Naturhafen auch noch einen ähnlich gut geschützten an der Südwestseite – Agios Petros. Die Insel wird auch Kyra Panagia genannt, dies ist auch der Name des Klosters an der Ostküste der Insel. Wir forschen weiter und erfahren, dass seit über 1000 Jahren diese Insel im Eigentum vom Kloster Megisti Lavra, dem größten und ältesten Kloster auf dem Berg Athos ist. Bei der Klostergründung wurden die Unabhängigkeit von kirchlichen Autoritäten, die wirtschaftliche und kulinarische Autarkie vertraglich festgelegt. Der Gründer von Lavra, der orthodoxe Mönch Athanasios hatte im Jahre 963 die Insel zur Sicherung der Versorgung der Mönche erworben und dann an Ziegenhirten verpachtet. Auch wenn weibliche Ziegen auf dem Berg Athos nicht erlaubt sind, auf frischen Ziegenkäse und zartes Ziegenfleisch müssen die Mönche nicht verzichten.
Wir beschließen hier einen Ankertag einzulegen und zu wandern. Die Insel ist übersät mit Ziegenpfaden auf einigen sind jedoch auch kleine Hufspuren zu erkennen, wie von Eseln oder Maultieren In Mitten der Insel liegt ein völlig ebenes Hochplateau, circa einen Quadratkilometer groß mit rissiger ausgetrockneter Erde und spärlichem Gras und einem intakten Zaun, der dieses Tal in zwei Hälften teilt, wobei in regelmäßigen Abständen hölzerne Rampen das Besteigen von der Westseite her ermöglichen, dann muss man jedoch auf der Ostseite hinunterklettern oder springen; so wird dafür gesorgt, dass die Ziegen alleine von West nach Ost, aber nicht den umgekehrten Weg beschreiten können. Ansonsten keine weitere Spur menschlicher Tätigkeit. Ziegenpfade führen uns zu einer kleinen einsamen Bucht mit einer Höhle am Ufer, zu klein um zu ankern, jedoch sehr idyllisch zum Verweilen. Der Pfad führt weiter zur südwestlich gelegenen gut geschützten Ankerbucht zu Agios Petros, hier sind deutlich mehr Segelyachten vor Anker als in der Nordbucht. Liegt es daran, dass es westlich der Bucht ein mit Amphoren beladenes antikes Schiff aus dem Jahre 500 v. Chr. entdeckt wurde und Taucher ihr Glück suchen? Es fällt uns auch auf, dass die Größe der Yachten zugenommen hat, man sieht kaum noch Boote unter 10 Metern, die doch noch vor einigen Jahren das Gros der Flotten ausgemacht haben. Den Weg zum Kloster finden wir auf dieser Wanderung nicht, wir sind zu weit nach Südwesten gelaufen. Am nächsten Tag segeln wir am Kloster vorbei und sehen, dass dieses renoviert wird, das Dach wird neu gedeckt, Photovoltaikfelder werden montiert. Eine Schiene führt am Ufer ins Wasser zur Aufnahme der Baulasten aus Booten. Eine Karawane von Maultieren bringt die Baustoffe den Berg hoch. Was soll hier auf der Ziegeninsel entstehen? Ein Seminar- und Tagungszentrum? Diese von der Natur reichhaltig mit unterschiedlichen Landschaften, Wäldern, Buschwerk, Grasland, Bergen, Schluchten und schiffbaren Buchten ausgestattete Insel, liegt im Meeres Naturschutzpark Alonissos, so wird sie auch den kommenden Generationen von Mönchsrobben und Menschen erhalten bleiben. In „unserer“ Ankerbucht kommen wir an einem Marterl wieder an das Ufer, inzwischen ist ein Katamaran eingelaufen, der zur Nacht wieder ausläuft. So haben wir die ganze Bucht für uns alleine – welch ein Luxus!

Geschrieben 13.08.2009, Geändert 15.08.2009, 1233 x gelesen.

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