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KPHTH MOU

Von arkoudos

Unter einer immergrünen Platane in Gortia, mitten in der Messara, haben Zeus und die schöne Europa Hochzeit gefeiert und Minos gezeugt, der später König in Knossos wurde.

Die Liste anerkannter Historiker und Archäologen aber auch Möchtegernwissenschaftler, die sich um die geschichtliche Wahrheit der größten griechischen Insel bemühen, ist endlos. Ich nehme daher bewusst Abstand davon eine der Hypothesen hier wiederzugeben, zumal sich unverzüglich jemand fände, der eine andere Version für zutreffender hielte, der ich keine Argumente entgegen zu setzen hätte.

Der Zauber Kretas liegt für mich im Kontrast. Ich weiß um das Wetteifern hoher, im Winter tiefverschneiter, unzugängliche Bergmassive mit dem sommerdunstigen Blau des Meeres. Sandstrände, die sich zärtlich an wild zerklüftete Felsenküsten schmiegen, entlocken mir immer noch ein verträumtes Lächeln. Ich staune stets aufs Neue, wenn sich inmitten einer völlig verkarsteten Landschaften eine fruchtbare Ebene öffnet. Bestaunenswerte Zeugnisse einer viertausendjähriger Vergangenheit trösten mich vielerorts über die Sünden jahrelang unfertig dastehender Betonskelette hinweg. Es schmerzt, wenn ich merke, wie winzige, vom Fremdenverkehr unberührte Dörfer unweit luxusprotzender Touristenburgen erdrückt werden.

Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich der Kontrast der kretischen Landschaft in seinen Bewohnern wiederspiegelt. Die überwältigende Gastfreundschaft der stolzen, an alten Traditionen festhaltenden Kreter - obwohl sie durch die lange Geschichte hindurch immer wieder durch Sarazenen, Römer, Türken und Venezianer erniedrigt wurden - öffnet mein Herz. Für ein Oúzo-Mezé oder auf einen Griechischen gehe ich nur ins Kafeníon mit heftig diskutierenden und gestikulierenden, oder Tavli spielenden oder dösenden Opas. Auf den mit grobem bastartigem Material bezogenen, wackeligen Holzstühlen fühl ich mich wohl. Sitzmusterabdruck auf den Schenkeln sind für mich kein Problem mit einer langen Hose. Und mein Sessel schaut in Richtung der Vorbeigehenden, ich will ja schließlich die Xénous (Fremden) ausrichten und mit den Einheimischen "ratschen".

Die etwa ebenso weit vom griechischen Festland wie von den Küsten Nordafrikas und Kleinasiens entfernte, fünftgrößte Mittelmeerinsel ist meine zweite Heimat. Ich bin zu Hause, wenn ich in der Messará-Ebene, inmitten von Obstplantagen und endlos scheinenden Gemüsefeldern, zum 2.456 m hohen Psilorítis hinaufblicke. Ich liebe das Spiel des Windes im frischen Grün der Weinstöcke und im glänzend silbrigen Laub der Olivenbäume.

Die über viele Quadratkilometer verstreuten, frei zugänglichen Relikte von Górtia, einer römische Stadt mit 300.000! Einwohnern, die 828 von den Arabern zerstört wurde, laden mich bei jedem Besuch zu stundenlangem Schlendern mit dem typisch hobbyarchäologisch geneigten Haupt ein. Zahllose Schätze hielt ich schon in meinen Händen, reinigte sie dürftig und legte sie an die Fundstelle zurück, nicht ohne vorher ein Foto davon gemacht zu haben. Die immergrüne Platane besuche ich bei jedem Kretaurlaub, die schöne Europa war jedoch noch nie da. Die steht wahrscheinlich nur auf Himmlische.

Ich verstehe, dass selbst eingefleischte Griechenlandfans - so nicht Sonnenbraten und Schwimmen ihre einzigen Urlaubsvergnügungen darstellen - die Destination Kreta zunehmend meiden, da der Norden von Máleme bis Ágios Nikólaos in den letzten zwei Jahrzehnten mit wenigen Ausnahmen dem Fremdenverkehrsgott geopfert wurde. Vor sieben Jahren folgte ich selbst noch einem Tipp für den kretischen Nordwesten - die Strände zwischen Agía Marína und Máleme, westlich von Chaniá - und verbachte dort drei sehr erholsame Wochen. Heute eine Hölle. Ich habe dort nichts verloren, denn Schirm an Schirm und Liege an Liege finde ich an der Coppa Kagrana, auf Sylt oder in Grado auch, dazu muss ich nicht nach Hersónisos oder Mália fliegen.

Mein Kreta blüht in den Weiten südlich der Léfka Óri, der Díkti- und Ídi-Ketten und abseits der Trampelpfade des Massentourismus. Mein Kreta ist westlich von Chóra Sfákion, ganz im Norden der Halbinsel Akrotíri, südlich von Agía Barbára bis Kalì Liménes, bei und rund um Moni Arkadoú und Moní Préveli im Distrikt Réthimnon, im Osten bei und südlich von Káto Zákros.

Im April oder Mai und von Oktober bis Dezember habe ich mich schon viele Male an diesen nahezu touristenleeren, ruhigen, eher beschaulichen Plätzen, ohne den hochsommerlichen Dunst, aber eingetaucht in der wohligen Wärme der südlichen Sonne, erfreut. Ich habe aber auch schon Schneestürme zwischen Soúgia und Paleochóra erlebt, eine Silvesternacht im Hafen von Chaniá, ich war an einem windstillen 28. Dezember bei 21°C in Agía Gallíni im Meer baden und ich habe bei Stàlis den Samum-Sturm aus Libyen mit einer Nachtemperatur von 36°C in einem Swimmingpool verbracht.

Ich besuche selten Museen, aber ich liebe archäologische Ausgrabungen, solange sie nicht überdacht, speziell wenn sie frei zugänglich sind, aber ausnahmslos an Sonntagen zwischen Öffnen und 1/2 10 Uhr, wenn die Touristenmassen vom Saturday-night-fever erschöpft, mit Hush Puppie-Wangen beim Frühstücksbuffet anstehen, um dem Nachbarn gerade noch die letzte rare Schwarzbrotscheibe wegzugabeln.

Auch die Stunde vor dem Zumachen, wenn die Busse die geschundenen Touristenfüße wieder in Richtung Hotel karren, nütze ich bei schon tieferstehender Sonne für Rundgänge in Káto Zákros, Mália, Festòs, Agía Triáda, oder Vassilikí und Prèsos (zwischen Ierápetra und Sitía). Mein absoluter Favorit punkto Altertum ist die frei zugängliche Dorische Siedlung Lató südlich von Agiós Nikólaos, die mich mit ihren Kyklopen-Mauern an Míkene erinnert. Die Palastanlage von Knossós hat seit der Errichtung eines hölzernen Zwangsweges durch das Grabungsareal vor drei Jahren, für mich jeden Reiz verloren, zumal man bereits vor mehr als sieben Jahren der Allgemeinheit den Zugang zu den beeindruckendsten Plätzen untersagt hatte.

Lasst mir mein Kreta herzlichst grüßen, wenn ihr vor mir dort Urlaub macht, und sagt, Petros kommt bald wieder nach Hause. Sicher.

Geschrieben 07.05.2003, Geändert 07.05.2003, 2290 x gelesen.

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