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Es entsteht ein neuer Weg

Von Xristo

Habe eine neue Herausforderungen gesehen und den Pápas über das Troulosgehöft in Angriff genommen. Der Weg hinauf zum Papas ist inzwischen schon fast eine Heimstrecke, da ich ihn schon mehrfach gegangen bin. Das Gehöft liegt wie immer verlassen da. Nur verschiedene Gerätschaften, Bindfäden, Plastikbeutel und rostige Werkzeuge deuten auf zeitweilige Betriebsamkeit hin. Eine Solaranlage auf dem Dach überrascht mich dann doch. Vom Bauernhof halte ich mich am Abhang zum Kédrostal, einige Felsabbrüche müssen umgangen werden. Linkerhand liegt ein verfallener Ziegenstall. Rechts zweigen die deutlichen Ziegenpfade um das tiefe Tal ab. Die Fläche zum Pápas wird weiträumig, den Berg selbst kann man nun nicht mehr erkennen. Ist auch nicht nötig, der Bergrücken weist die Richtung. Im Zick-Zack gehe ich zwischen den Macchiapolstern nordwärts. Von hier an ist der diffus erkennbare Weg unspektakulär.

Es ist schwer nach so vielen Jahren noch Wege zu finden, die ich noch nicht gegangen bin. Dennoch habe ich eine neue Spezialstrecke vom Pápas hinunter zur Straße im Osten gefunden. Nicht gerade die Eigernordwand, sondern die Wardiánordwand: 

Da mich seit langem die vom "Pápasgipfel" aus sehr schwach sich abzeichnenden Pfade am Nordhang der Wardiá verlockt haben, wähle ich die unterste dieser Spuren, der wohl noch niemand außer den hier ober frei herumziehenden Ziegen gefolgt ist, d.h. Hatte mir vorsichtshalber einen Wanderbambus geschnitten, der mir, wie sich zeigte, sehr gute Dienste leistete. Ich verlasse den Pápas über einen Pfad, der südöstlich über den Sattel zwischen beiden Bergen führt, wende mich dann ostwärts schräg nach unten, wo der Blick sich in die weite Roússasbucht nach Kalotarítissa öffnet. Dort unten schlängelt sich die Straße. Die helle Linie, die von oben wie ein durchgängiger Pfad aussah, verflüchtigte sich beim Nähern vor meinen Füßen.  Donoussa erschließt sich erst auf seinen Wegen, den sichtbaren und unsichtbaren. Mehr noch auf den Wegen, die erst die eigenen Füße erfinden. Sie entstehen aus dem Augenblick, sind nicht vorgegeben, nicht karto- graphiert. In dem Moment, in dem ich mich entscheide, spontan, nur nach Gefühl gibt es Richtung und Orientierung.

"Wenn Du ein Problem hast, versuche nicht, es als Ganzes zu lösen, sondern teile es in mehrere kleine Probleme auf!" (Laotse, Kofuzius oder Goethe?). Also peile ich jeweils den nächsten markanten Punkt an, eine helle Stelle im Gelände, einen großen Strauchwacholder, und entscheide dann, wie es weitergeht. Rückblickend sieht man erst, wie steil der Pápas nach Osten abfällt. Meine selbst gemachte Wanderkarte, hat mir gute Dienste geleistet, da ich beim Vergleich der Höhenlinien mit der Topographie meine Richtung ziemlich exakt finden kann. Mit einigen Kratzern an den Beinen, gelehrter Wasserflasche und schweißnass komme ich oberhalb der östlichen Felswand der Wardiá, an deren Fuße die dank der Straße wieder bewirtschafteten Felder liegen, erst auf den alten verfallenden Monopathi, dann auf die schattenlose Straße. Sie um die Mittagszeit zu gehen, ist ine Tortur. Von Kalotarítissa steigt sie stetig bis Mersíni an, der schwarze Belag strahlt die Hitze im Duett mit der Sonne von unten. Kein Tröpfchen ist mehr in der Flasche. Das "Tzi-Tz" in Mersíni ist das mentales Lockmittel, das mich antreibt. Fawa mit Kremisi, Hühnchenfilets mit Reis. Ein kühles Bier! Der Blick über die Halbinsel Glaria verliert sich im Dunst, in dem Amorgos gerade noch zu erahnen ist. Weiter gehe ich heute nicht. Christos' Taxi (!) holt mich gleich ab. Ich möchte nur noch ins Wasser.

Thales aus Milet meinte, der Grundstoff aller Dinge sei das Wasser. Anaximenes dagegen sah die Luft als alles hervorbringende Materie, die je nach Verdichtung die Elemente hervorbringe. Daher kommt wohl auch das Polykarbonat zu seinen vielen Erscheinungsformen, die die Insel überziehen, Wasserflaschen, Dämmstoffreste, Folienfetzen, Verpackungen. Aber auch Ferrum in seinen variantenreichen Manifestationen, Ölfässer, Bierdosen, Draht, Baustahlmatten, Autowracks. Mir leuchtet Thales mehr ein. Begebe ich mich also in den Urstoff. Das Meer beruhigt sich, der Meltemi scheint an Kraft zu verlieren. Weiße Wolkenfahnen lassen soetwas wie Kühle aufkommen. Wetteränderung. Das Ausbleiben der Schiffe kommt mir wie ein Innehalten vor, wie Luftanhalten vor dem Ansturm. Die Zimmer sind nur noch zur Hälfte belegt. Neue Gäste sitzen auf Naxos fest. Ruhe im "Dschungelcamp". Gerade kotzt mir Kater Filou vor die Füße. Ich trage keine Verantwortung, da er von mir nichts zu fressen bekommt. Er hat sich bei den Italienischen Nachbarn eingeschmeichelt.

© 2009 Xristo

Geschrieben 09.07.2009, Geändert 09.07.2009, 2667 x gelesen.

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